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Int Poster J Dent Oral Med 14 (2012), No. 3     15. Sep. 2012

Int Poster J Dent Oral Med 2012, Vol 14 No 3, Poster 604

Nimodipin unterstützt die schnelle funktionelle Regeneration bei peripherer Fazialisparese

Sprache: Deutsch
 

Autoren:
Dr. Dr. Konstanze Scheller,
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Klinik und Poliklinik für Mund-, Kiefer- und Plastische Gesichtschirurgie, Halle/Saale
Dr. Christian Scheller,
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Klinik und Poliklinik für Neurochirurgie, Halle/Saale

Datum/Veranstaltung/Ort:
16.-18.06.2011
61. Kongress der Gesellschaft für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie
Bamberg
 

Einleitung

Vorübergehende und permanente Paresen des N. facialis sind bekannte Komplikationen bei der operativen Versorgung von Kiefergelenkfrakturen (0-48%). Auch nach orthognather Chirurgie (0.64%) und konservativer Parotidektomie mit Darstellung des Haupstamms des Nerven (50%) wurden Schädigungen von Ästen des N. facialis beobachtet.

Diagnose Operation
Parotistumor (Warthin-Tumor)
Parotistumor (pleomorphes Adenom)
partielle laterale Parotidektomie
komplette konservative Parotidektomie
3
2
Kiefergelenksfraktur extraoraler prä-aurikulärer Zugang zur Reposition und Osteosynthese 3
traumatische Nervverletzung durch Felsenbeimfraktur keine 1
mandibuläre Prognathie Unterkieferosteotomie mit Zurücksetzen des Unterkiefers 2
Abszess der Parotisloge extraoraler Zugang 2
total:  13
Tab. 1: Zusammenstellung der Diagnosen und durchgeführten OPerationen

Problemstellung

Der Ausfall des N. fazialis ist für den betroffenen Patienten aufgrund der funktionellen Störungen und der resultierenden Gesichtsasymmetrie sehr belastend.
Eingedenk verschiedener retro- und prospektiver klinischer Studien in der Neurochirugie, die eindeutig einen positiven Effekt von Nimodipin (NimotopS®, Bayer Health Care, Leverkusen) auf den Erhalt der Funktion des N. fazialis und N. vestibularis bei der Akustikusneurinomchirurgie zeigten, wurden diese Patienten, nach eindeutiger Aufklärung und Einverständnis, mit Nimodipin behandelt.
 

Material und Methoden

Sieben Patienten (n=7) mit einer moderaten bis schwer ausgeprägten peripheren Fazialisparese nach einem Eingriff im Mund-, Kiefer-, Gesichtsbereich (Tabelle 1) wurden zwischen 2007 und 2008 behandelt. Bei allen Patienten war die Integrität des Nerven erhalten.
Aufgrund der zunächst fehlenden spontanen Regeneration, bis zu einem halben Jahr nach Ausfall, wurde den Patienten im Rahmen einer Anwendungsbeobachtung ("off-label" use) Nimodipine oral verabreicht.
Nimodipin wurde für 2-3 Wochen mit 6 x 60 mg begonnen und nach Re-Evaluation des Fazialisstatus bei Besserung der Fazialisfunktion über 1 Woche reduziert. Kam es zu keiner Besserung erfolgte die Therapie in angegebener Dosierung von 6 x 60 mg bis zur 6. Woche. Nebenwirkungen traten nicht auf. Die abschließende Beurteilung erfolgte 8 Wochen nach Therapiebeginn (Abb. 2).

 
Abb. 1: Strukturformel von Nimodipin
 
 

Ergebnisse

Postoperativ variierte der Grad der peripheren Fazialisparese von HB II-III zu HB V-VI (MW: 5.04 ± 1.2).
Zu Beginn der Therapie mit Nimodipin zeigte sich weiterhin ein Funktionsausfall der HB-Klassifikation Grad V (MW: 4.8 ± 0.86).
Nach 2-3 Wochen unter Nimodipin-Therapie verbesserte sich die Funktion des N. fazialis signifikant (p=0.00028) auf einen HB-Grad III (MW: 2.8 ± 0.9). Nach 6-8 Wochen konnte eine weitere signifikante (0.00027) Verbesserung der Nervfunktion auf einen HB-Grad von I-II (MW: 1.54 ± 0.56) gezeigt werden (Abb. 3).

Abb. 2: Dosierung und Therapieschema der Nimodipin-Therapie Abb. 3: Darstellung des Regenerationspotentials des N. fazialis unter Nimodipin-Gabe
 

Schlußfolgerungen

Die klinischen Beobachtungen in dieser Pilot-Studie zeigen einen positiven Effekt von Nimodipin bei der Regeneration und Wiederherstellung der Funktion des N. fazialis. Verglichen mit der in der Literatur angegebenen Regenerationszeit für traumatisch bedingte Fazialisschäden von 4-6 Monaten, konnte durch die Gabe von Nimodipin eine schnellere Regeneration innerhalb von ca. 8 Wochen gezeigt werden.
Die Therapie mit dieser Art Kalziumblocker scheint somit der oftmals angewendeten rheologischen und Korticosteroid-Therapie, die in klinischen Studien keine wesentliche Verkürzung der Regenerationszeit zeigen konnten, überlegen zu sein.
Diese vielversprechenden Ergebnisse sollten nun in einer prospektiven klinischen Studie weiter untersucht werden.
 

Literatur

  1. House J, Brackmann D. Facial nerve grading system. Ot olaryngol Head Neck Surg 93:146-147, 1985.
  2. Scheller C, Strauss C, Fahlbusch R, Romstöck J. Delayed facial nerve paresis following acoustic neuroma resection and postoperative vasoactive treatment. Zentrbl Neurochir 64:103-107, 2004.
  3. Scheller C, Richter HP, Engelhardt M, Koenig R, Antoniadis G. Influence of prophylactic vasoactive treatment on cochlear and facial nerve functions following vestibular schwannoma surgery. A prospective and open-label randomized pilot study. Neurosurgery 61:92-97, 2007.
  4. Sittel C, Sittel A, Guntinas-Lichius O, Eckel HE, Stennert E. Bells palsy: a 10-year experience with antiphlogistic-rheologic infusion therapy. Am J Otol 21:425-432, 2000.
  5. Stennert E, Limberg CH, Frentrup KP. An index for paresis and defective healing an easily applied method for objectively determining therapeutic results in facial paresis. HNO 25:238-245, 1977.
     

Abkürzungen

FN = facial nerve
HB = House-Brackmann
N. = Nervus
 

Dieses Poster wurde übermittelt von Dr. Dr. Konstanze Scheller.
 

Korrespondenz-Adresse:
Dr. Dr. Konstanze Scheller
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Klinik und Poliklinik für Mund-, Kiefer- und Plastische Gesichtschirurgie
Ernst-Grube-Straße 40
06120 Halle/Saale