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Int Poster J Dent Oral Med 11 (2009), No. 3     15. Sep. 2009

Int Poster J Dent Oral Med 2009, Vol 11 No 3, Poster 459

Auswirkung verschiedener Gestagen-Kombinationen auf humane Endothelzellen

Sprache: Deutsch
 

Autoren:
Dr. Tim Nolting, Abteilung für Mund- und Kiefer- Gesichtschirurgie, Universität Münster Universität Münster Abteilung für Mund- und Kiefer-, Gesichtschirurgie Waldeyerstr. 30 48149 Münster, Dr. Lothar Nolting, Greven Prof. Dr. Dr. Dr.h.c. Ulrich Joos, Abteilung für Mund- und Kiefer- Gesichtschirurgie, Universität Münster Prof. Dr. Dr. Johannes Kleinheinz, Abteilung für Mund- und Kiefer- Gesichtschirurgie, Universität Münster

Datum/Veranstaltung/Ort:
1.-3.5.2008
58. Jahrestagung Arbeitsgemeinschaft Kieferchirurgie
Wiesbaden
 

Einleitung

Das erfolgreiche Einwachsen eines "bone-tissue-engineerten" Gewebes in einen Knochendefekt hängt in hohem Maße von einer ausreichenden Angiogenese ab. Stoffe, die eine Angiogenese fördern oder verlangsamen, werden weltweit erforscht.
Auswirkungen durch hormonale Antikonzeptiva (OC), d.h. von Östrogenen und Gestagenen, auf die Angiogenese sind unseres Wissens bisher nicht untersucht worden. Aufgrund ihrer mengenmäßig hohen Verbreitung und Einnahme spielen natürliche und synthetische weibliche Hormone aber eine entscheidende Rolle für die Volksgesundheit.
Der Östrogenanteil fast aller OCs besteht aus Äthinyl-Östrogen (EE) mit geringen Dosisschwankungen. Die synthetischen Gestagene entfalten ein breites Spektrum physiologischer und pharmakologischer Wirkungen, welches untereinander und mit dem des natürlichen Progesterons nicht identisch ist. Die derzeit auf dem Markt befindlichen Gestagene leiten sich ab einerseits vom Progesteron, bzw. vom 17-alpha-Hydroxyprogesteron mit minimaler androgener und anaboler Restwirkung, andererseits vom 19-Nortestosteron mit anaboler und manchmal geringer östrogener Restwirkung. Derivate der Nortestosterongruppe sind u.a. Norethisteronazetat, Lynestrenol, Dienogest, Levonorgestrel, Gestoden, Desogestrel. Derivate des Progesterons, bzw. des 17-alpha-Hydroxyprogesterons sind Chlormadinonacetat, Medroxyprogesteron, Cyproteronazetat und Dydrogeston.
 

Problemstellung

Das Ziel dieser Studie war die Erforschung der Auswirkung von Gestagen-Derivaten in oralen Kontrazeptiva auf die Proliferation humaner Endothelzellen.
 

Material und Methoden

Humane umbilicale Endothelzellen (HUVEC) wurden nach Standardverfahren aus frischen Nabelschnüren gewonnen und mit verschiedenen Kombinationen von Äthinyl-Östrogen (EE) plus Medium, Gestagen plus Medium, sowie EE plus Gestagen plus Medium kultiviert. Als Gestagene wurden drei Nortestosteron-Derivate (Norethisteron-Acetat, Levonorgestrel, Desogestrel) und ein 17-alpha-Hydroxyprogesteron-Derivat (Chlormadinon-Acetat) in 1-Stunden-Äquivalenzdosis verwendet. Nach 24 und 72 Stunden wurde die Proliferation der Endothelzellen mittels photometrischer Größenmessung und Zellzählung bestimmt.
 

Ergebnisse

OC haben einen Effekt auf die Angiogenese. Die individuellen Bestandteile von OCs können die Angiogenese sowohl fördern als auch hemmen. Dabei ist die Wahl des jeweiligen Gestagens mit seinen unterschiedlichen Partialwirkungen für die Angiogenese von entscheidender Bedeutung.
Alle getesteten Solosubstanzen hatten nach 72 Stunden Wachstum einen vermindernden Effekt auf die Zellzahlen außer EE, welches einen vermehrenden Effekt zeigte im Vergleich zur Kontrollprobe. Alle getesteten Kombinationssubstanzen hatten einen vermindernden Effekt auf die Zellzahlen, außer EE plus NETA. Diese Kombination hatte nach 72 Stunden Wachstum eine signifikant höhere Proliferation, sowohl aller getesteten Kombinations- als auch Solosubstanzen.
Alle getesteten Solosubstanzen hatten nach 72 Stunden Wachstum einen vergrößernden Effekt auf den Zelldurchmesser, außer EE, welches einen vermindernden Effekt zeigte im Vergleich zur Kontrollprobe. Alle getesteten Kombinationssubstanzen hatten einen vergrößernden Effekt auf den Zelldurchmesser.

Abb. 1: Absolute Zellzahlen von Endothelzellen unter Einwirkung verschiedener Gestagen-Solopräparate im Vergleich mit EE und der Kontrollgruppe Abb. 2: Absolute Zellzahlen von Endothelzellen unter Einwirkung verschiedener Gestagen-EEKombinationen im Vergleich mit EE und der Kontrollgruppe
Abb. 3: Durchschnittlicher Zelldurchmesser von Endothelzellen unter Einwirkung verschiedener Gestagen-Solopräparaten im Vergleich mit EE und der Kontrollgruppe
 
Abb. 4: Durchschnittlicher Zelldurchmesser von Endothelzellen unter Einwirkung verschiedener Gestagen-EE-Kombinationen im Vergleich mit EE und der Kontrollgruppe
 

Schlußfolgerungen

Schon heute achtet man bei der Wahl eines OCs auf die Partialwirkung seines Gestagens. Die angiogenetische Partialwirkung ist bisher nicht beschrieben worden. Da in dieser Studie sich die Forschung exemplarisch nur auf einige OCs beschränkte, sollten zunächst alle gebräuchlichen OCs auf diese Partialwirkung untersucht werden. Danach müssten folgerichtig alle Hormonersatzpräparate, die ein natürliches Hormonmuster beinhalten, hinsichtlich dieses Aspektes kontrolliert werden. Des Weiteren sollte bei allen Hormonzusammensetzungen die Auswirkung auf die Differenzierung der Endothelzellen und das vaskulogenetische Potential hinsichtlich der Zellzahl, der Zellgröße und Zellmasse beobachtet werden.
 

Literatur

  1. Teichman AT,Corbin A: (1998) Levonorgestrel. Georg Thieme Verlag, N.Y.
  2. Göretzlehner G, Lauritzen C,Göretzlehner U: (2003) Praktische Hormontherapie in der Gynäkologie. De Gruyter, N.Y. Aufl. 4
  3. Lee JR: (1997) Natürliches Progesteron.Ein bemerkenswertes Hormon. Akse-Verlag. Aufl. 6
  4. Römer T, Köhler G: (1998) Gestagene. Ein Ratgeber für die Praxis.Kongressverlag Gertrud Lulinski,Hofstetten. Aufl. 1
  5. Leidenberger FA: (1997) Klinische Endokrinologie für Frauenärzte. Springer-Verlag, Berlin-Heidelberg-N.Y. Aufl. 2.
     

Dieses Poster wurde übermittelt von Dr. Tim Nolting.
 

Korrespondenz-Adresse:
Dr. Tim Nolting
Universität Münster
Abteilung für Mund- und Kiefer-, Gesichtschirurgie
Waldeyerstr. 30
48149 Münster