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Int Poster J Dent Oral Med 6 (2004), No. 4     15. Dec. 2004

Int Poster J Dent Oral Med 2004, Vol 6 No 04 Poster 245

Ästhetische Aspekte der Kinnregion bei der Planung bignather Umstellungsosteotomien

Indikationen zur sekundären Genioplastik

Language: Deutsch

Autoren:
Dr. Dr. Christian Kuettner,
Dr. Dr. Peter Brachvogel,
Prof. Dr. Dr. Jarg-Erich Hausamen,
Klinik für Mund,- Kiefer- und Gesichtschirurgie,
Prof. Dr. Rainer Schwestka-Polly, Abteilung Kieferorthopädie,
Medizinische Hochschule Hannover,
Prof. Dr. Jörg A. Lisson, Abteilung für Kieferorthopädie,
Universitätskliniken des Saarlandes

Datum/Veranstaltung/Ort:
10.-14. September 2003
76. Wissenschaftliche Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kieferorthopädie
München/Deutschland

Einleitung

Das Kinnprofil stellt einen bedeutenden Teilaspekt eines harmonischen Gesichtes dar. Die meisten ästhetischen Störungen im Bereich der Kinnregion treten im Zusammenhang mit skelettalen Dysgnathien auf. In der Regel läßt sich heute durch ein kombiniertes orthodontisch-chirurgisches Behandlungskonzept eine zufriedenstellende Verbesserung des Kinnprofiles erreichen.

Problemstellung

Die Auswertung eines Kollektives von 1564 kombiniert behandelten Dysgnathiepatienten zeigt ein umgekehrt proportionales Verhältnis zwischen der Anzahl von bignathen Umstellungsosteotomien und sekundären Kinnplastiken [Abb. 1]. Zu Beginn der noch verhältnismäßig jungen Disziplin "rthopädische Gesichtschirurgie" stand zunächst die Harmonisierung der Kieferbasen im Zentrum der Operationsplanung. Häufig wurde dann eine monognathe Umstellungsosteotomie vorgennommen und sekundär die Kinnregion korregiert. Heute berücksichtigen die modernen Behandlungskonzepte schon primär die Profilpla-nung, was an einem höheren Anteil bignather Umstellungsosteotomien deutlich wird [Abb.1].

Abb1: Die Grafik zeigt den prozentualen Anteil von bignathen Umstellungsosteo- tomien sowie den prozentualen Anteil von sekundären Kinnplastiken an der Gesamtzahl aller in den Jahren 1982-2001 an der Medizinischen Hochschule Hannover operierten Dysgnathiepatienten. Hierbei wird deutlich, daß der Anteil der bignathen Eingriffe über die letzten 20 Jahre angestiegen ist, wogegen der Anteil der Kinnkorrekturen kontinuierlich abgenommen hat.

Erst die komplette Mobilisierung von Ober- und Unterkiefer im Rahmen eines bignathen Eingriffes erlaubt nahezu jede skelettale Position von Ober- und Unterkiefer dreidimensional und gesichtsschädelbezogen einzustellen. Die Neben einer eugnathen Verzahnung läßt sich so, unabhängig von der Ausgangsdysgnathie, nahezu jedes gewünschte Profilbild erzielen. Zusätzliche ästhetische Indikationen zur operativen Kinnkorrektur ergeben sich nur noch selten. Das Ziel der Untersuchung war es, die Indikationen zur zusätzlichen Kinnkorrektur mit Hilfe der FRS-Analyse zu erarbeiten.

Material und Methode

Abb. 4: Patienten mit sekundären Genioplastiken nach bignather Umstellungsosteotomie (n=50)

Im Untersuchungszeitraum von 1981 bis 2001 wurde bei 674 Patienten eine bignathe Umstellungsosteotomie durchgeführt. Bei 50 dieser Patienten (7,4%), 18 Männer und 32 Frauen, wurde zusätzlich eine sekundäre Geniopla-stik vorgenommen. Die Analyse der Fernröntgen-aufnahmen dieser Patienten erfolgte mit dem Quick-Ceph-Image (Analyse nach Hasund, Weichteilprofil) ausgewertet. Hierbei wurde die Kinnregion zusätzlich über die Strecken ArPg, SnPg, Gnii und den Norderval-Winkel vermessen.

Ergebnisse

25 Patienten (50%) wiesen eine Angle-Klasse II, 18 Patienten (36%) eine Klasse III und 7 Patienten (14%) eine Klasse I auf [Abb. 2].

Abb. 2a-c: Ein Patient mit einer skelettalen Klasse-II-Dysgnathie bei vertikalem Gesichtsschädelaufbau (2a). Bei dieser ausgeprägten Dysgnathie ist auch durch eine bignathe Umstellungsosteotomie kein ästhetisch zufriedenstellendes Ergebnis zu erzielen (2b). Erst die zusätzliche Vorverlagerung des Kinnkörpers führt zu einer Harmonisierung des Gesichtsprofiles (2c).

Bei allen Patienten lag ein vertikaler Wachstumstyp vor. Die besonderen Kennzeichnen waren: Klasse II: SNB 71,6 ± 4,5; ANB 8,2 ± 3,5; SnPg 70,2 ± 4,9. Klasse III: SNB 84,8 ± 6,4; ANB -3,9 ± 2,8; N-Winkel 71 ± 7,3. Für die Klasse I-Patienten konnten keine einheitlichen Trendwerte ermittelt werden.

Abb. 3a-c: Die Abbildungen zeigen die FRS einer jungen Patientin vor der operativen Verlagerung der Kieferbasen (3a), ca. 6 Monate nach bignather Umstellungsosteotomie (3b) und nach Kinnplastik (3c). Die "Esthetik-Line" nach Rickets macht deutlich, daß erst die vertikale Reduktion des Kinnkörpers bei gleichzeitiger Vorverlagerung der Kinnspitze ein harmonisches Ge-sichtsprofil ergibt.

Abb. 5 u. 6: Die Abbildungen zeigen beispielhaft Fälle, aus denen sich Indikationen für eine zusätzliche Korrektur des Kinnprofiles ergeben können.

Schlussfolgerung

Nach einer bignathen Umstellungsosteotomie können sich bei Patienten mit extremen vertikalen Klasse-II Dysgnathien, bei denen die großen Verlagerungsstrecken die für ein ästhetisch ansprechendes Kinnprofil notwendige Rotation des Unterkieferkörpers nicht zulassen, ästhetische Indikationen für eine zusätzliche Kinnplastik ergeben. Darüber hinaus kann eine Kinnkorrektur auch bei den Patienten sinnvoll sein, die zusätzlich zu einer vertikalen Dysgnathieform eine skelettale Fehlposi-tion des Kinns in bezug zum übrigen Unterkiefer aufweisen. Bei diesen Patienten ist es häufig nicht möglich allein durch eine skelettale Lagekorrektur der Kiefer eine befriedigende Kinnposition zu erzielen. Hier ist auch aus funktioneller Indikation (Lippeninkompetenz) eine vertikal reduzierende Kinnplastik zu erwägen. Eine weitere Indikation besteht bei Patienten dem sogenannten Long-Face, bei dem zwar ein kräftiger Unterkieferkörper, aber keine Kinnprominenz vorhanden ist.

Literatur

  1. Brachvogel P: Orthopädische Chirurgie. In: Hausamen JE, Becker J, Neukam FW, Reichart PA, Schliephake H, Schmelzeisen R (Hrsg.): Curriculum Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie Band III. Quintessenz Verlag, Berlin 2002, S. 199-246.
  2. Brachvogel P, Berten JL, Schmelzeisen R (1989) Ästhetische Aspekte der Kinnregion in der kausalen Therapie skelettaler Dysgnathien. Fortschr Kiefer Gesichtschir 34:31-34.
  3. Drescher D: Fernrötgenanalyse. In: Diertrich P (Hrsg,): Praxis der Zahnheilkunde Bd. 11/I, Kieferorthopädie I. Urban & Fischer, München, Jena 2000, S. 261-291.
  4. Epker BN, Wolford LM (Hrsg.): Dentofacial Deformaties - Surgical-Orthodontic Correction. Mosby, St. Louis 1980.
  5. Michel C, Reuther J: Orthopädische Chirurgie des Gesichtsschädels. In: Hausamen JE, Machtens E, Reuther J (Hrsg.): Kirschner'sche allgemeine und spezielle Operationslehre. Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie. Springer, Berlin, Heidelberg, New York 1995, S. 359-402.
  6. Proffit WR, Ackermann JL: Diagnosis and treatment planning in orthodontics. In: Graber TM, Swain BF (Hrsg.): Orthodontics - Current Principles and Techniques. Mosby, St. Louis, Torornto, Princeton 1985, S. 3-100.

Diese Poster wurde übermittelt von Dr. Dr. Christian Kuettner.

Korrespondenz-Adresse:
Dr. Dr. Christian Kuettner
Medizinische Hochschule Hannover
Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie
Carl-Neuberg-Str. 1
30625 Hannover
Germany