International Poster Journal of Dentistry and Oral Medicine
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Int Poster J Dent Oral Med 5 (2003), No. 4     (15.12.2003)

Int Poster J Dent Oral Med 2003, Vol 5 No 04, Poster 196

Diffus sklerosierende Osteomyelitis (DSO) des Unterkiefers als monotope Form der chronisch rekurrierenden multifokalen Osteomyelitis (CRMO) - ein Fallbericht

Language: Deutsch

Autoren:
Priv.-Doz. Dr. Dr. Johannes Kleinheinz, Dr. Dr. Christian Kleier, Univ.-Prof. Dr. Dr. Dr. h.c. Ulrich Joos
Klinik und Poliklinik für Mund- und Kiefer-Gesichtschirurgie Universitätsklinikum Münster

Datum/Veranstaltung/Ort:
09.-11.05.2002
53. Jahrestagung der Arbeitsgemeinschaft Kieferchirurgie
Bad Homburg, Deutschland

Einleitung

Die chronisch rekurrierende multifokale Osteomyelitis (CRMO) stellt eine eher seltene, dafür aber schwer zu therapierende Form der Knochenentzündung dar. Als osteoblastische Variante in der diffus sklerosierenden Form (DSO) kann sie monotop nur den Unterkiefer befallen und zu massiven Auftreibungen und damit zu Entstellungen führen. Im dargestellten Fall wurden unterschiedliche Therapieansätze gewählt, ohne jedoch eine Veränderung des Befundes erzielen zu können.

Abb. 1 und 2: 22jährige Patientin 9 Jahre nach Diagnose der Erkrankung. Der Unterkiefer ist in ungewöhnlich starker Form und fast symmetrisch betroffen. Besonders ausgeprägt ist die Schwellung im Kieferwinkelbereich.

Fallbeschreibung

Die Diagnose einer chronisch rezidivierenden Osteomyelitis des Unterkiefers wurde erstmalig 1993 bei einer zu diesem Zeitpunkt 13jährigen Patientin histologisch gesichert. Es folgten multiple stationäre und ambulante Behandlungen, die chirurgische (Dekortikation), medikamentöse (Antibiotika, Rheologika, Antiphlogistka; Analgetika), physikalische (Mikrowelle, Jodiontophorese) sowie die hyperbare Sauerstofftherapie umfaßten. Keiner der Therapieansätze führte zu einer Besserung des Befundes, dagegen entwickelte sich eine massive Volumenzunahme beider Rami mandibulae. Diese ästhetische Beeinträchtigung sowie die rezidivierenden Schmerzzustände zogen psychische Veränderungen der jungen Patientin nach sich, die zusätzlich zu einer psychotherapeutischen Intervention führten. Ein erneuter medikamentöser Ansatz mit der Kombination Azithromycin und Calcitonin zeigte ebenfalls nur geringgradige Veränderungen. Die Patientin, die sich augenblicklich in einem psychisch stabilen Zustand befindet, drängt nun, nach 9jährigem Krankheitsverlauf, auf eine ausgedehnte modellierende Osteoplastik des gesamten Unterkiefers, um zumindest den äußeren Eindruck temporär verbessern zu können.

Abb. 3: Szintigraphische Darstellung. Persistierende pathologische Anreicherung im gesamten Unterkiefer, geringe anteriore Aussparung. Die Gelenke und die Schädelbasis sind (noch) nicht betroffen.
 
Abb. 4: Orthopantomogramm: osteoblastische und sklerosierte Verdickung des Unterkiefers. Die aufsteigenden Äste sowie die Colla sind atypisch und plump verformt. Alle Zähne sind vital und ohne Lockerungsgrad. Die Knochenzeichnung ist diffus feinkörnig.
Abb. 5: Computertomographie. Unstrukturierte Knochenzeichnung im Unterkiefer und zunehmende Einengung des Mundbodens/ Zungenraumes. Abb. 6: Histologischer Schnitt. HE-Färbung. Im ortsständigen Knochen sind Resorptionslakunen erkennbar, daneben bestehen ausgeprägte bindegewebige Umbauzonen.

Diskussion

Die Therapieoptionen für die CRMO und die DSO werden in der Literatur sehr unterschiedlich bewertet. Der Erkrankung zugrunde liegt eine aseptische primär chronische Osteomyelitis, daher führen antibiotische Therapien in den seltensten Fällen zu einer Verbesserung. Der einzig bekannte spezifische Ansatz gegen die osteomyelitische und die osteoklastische Komponente besteht in einer Kombinationstherapie von Azithromycin und Calcitonin. Da diese Behandlung jedoch keinen Einfluß auf die zum Teil massive knöcherne Schwellung hat, verbleibt nur die ebenfalls ausgedehnte modellierende Osteoplastik. Ein Heilungserfolg kann den Patienten jedoch nicht versprochen werden, was, neben den rezidivierenden Schmerzen, den kosmetischen Beeinträchtigungen und dem langen Verlauf, zu psychischen Belastungen und Veränderungen der meist jungendlichen Patienten und ihrer Familien führt. Dies sollte bei der Therapieplanung rechtzeitig mit einbezogen werden.


Dieses Poster wurde übermittelt von Priv.-Doz. Dr. Dr. Johannes Kleinheinz.

Korrespondenz-Adresse:
Priv.-Doz. Dr. Dr. Johannes Kleinheinz
Klinik und Poliklinik für Mund- und Kiefer-Gesichtschirurgie
Universitätsklinikum Münster
Waldeyerstr. 30
48149 Münster
Germany