International Poster Journal of Dentistry and Oral Medicine
Login:
username:

password:

Plattform:

Forgotten password?

Registration

Int Poster J Dent Oral Med 4 (2002), No. 3     15. Sep. 2002

Int Poster J Dent Oral Med 2002, Vol 4 No 3, Poster 131

Ohrgeräusche, kraniomandibuläre Dysfunktionen und deren Einfluss auf die Lebensqualität einer populationsbasierten Probandengruppe

Sprache: Deutsch

Autoren: Dr. Olaf Bernhardt1, Dr. Dietmar Gesch2, Dr. Torsten Mundt3, Dipl.-Math. Christian Schwahn1, Prof. Dr. Georg Meyer1, Prof. Dr. Ulrich John4
University of Greifswald, Germany
1Department of Restorative Dentistry, Periodontology and Pediatric Dentistry, School of Dentistry
2Department of Orthodontics, School of Dentistry
3Department of Prosthodontics and Dental Material, School of Dentistry
4Institute of Epidemiology and Social Medicine

Datum/Veranstaltung/Ort: 
1.12.01
34. Jahrestagung der Arbeitsgemeinschaft für Funktionslehre
Bad Homburg


Tagungsbestpreis, Preis für das beste Poster

Ziele der Untersuchung

  1. Sind kraniomandibuläre Dysfunktionen (CMD) potenzielle Risikofaktoren bzw. Marker für Tinnitus?
  2. Wie beeinflussen Ohrgeräusche und deren Risikofaktoren die Lebensqualität einer populationsbasierten Probandengruppe?

Hintergrund

  • Bei 35 - 45 % aller Erwachsenen sind schon einmal Ohrgeräusche aufgetreten, 8 % fühlen sich durch Ohrgeräusche im Alltag belästigt bzw. haben Schlafstörungen. Bei 0,5 % der Erwachsenen gilt Tinnitus als eigenständige Krankheit mit Beeinträchtigung der Lebensqualität (Feldmann H, Lenarz T, Wedel H: Tinnitus. Georg Thieme Verlag, Stuttgart/New York, 1998)
  • Seit den 20-er Jahren des vergangenen Jahrhunderts wird ein Zusammenhang zwischen Ohrgeräuschen und Funktionsstörungen des Kauorgans kontrovers diskutiert.
  • Epidemiologische Studien und Kasuistiken weisen auf Zusammenhänge hin, werden von den Autoren aber unterschiedlich interpretiert.
  • Theorien: neuromuskuläre bzw. anatomische Verbindungen, neurovaskuläre Theorie, Excessive somatic concern Hypothesis

Pro:
Rubinstein B, Carlsson G: Effects of stomatognathic treatment on tinnitus: A retrospective study. Cranio 1987; 5: 254-259.
Vernon J, Griest S, Press L: Attributes of tinnitus that may predict temporomandibular joint dysfunction. Cranio 1992; 10: 282-288.
Peroz I, Kirchner K, Lange K-P: Kraniomandibuläre Dysfunktionen bei Tinnituspatienten. Dtsch Zahnärztl Z 2000; 55: 694-699.

Contra:
Brookes G, Maw R, Coleman M: 'Costen's syndrome'- correlation or coincidence: a review of 45 patients with temporomandibular joint dysfunction, otalgia and other aural symptoms. Clin Otolaryngol 1980; 5: 23-36. 


Material und Methoden

  • Study of Health in Pomerania (SHIP): bevölkerungsrepräsentative Querschnittsstudie mit dem Ziel einer systematischen Erhebung und Beschreibung des Gesundheitszustandes der Bevölkerung in der Region Vorpommern.
  • multivariates logistisches Regressionsmodell: Bestimmung möglicher Risikofaktoren bzw. Marker für Tinnitus, n = 3124, Alter: 20-79 J.
    Nutzung von Daten der zahnmedizinische Untersuchung (klinische Funktionsanalyse), Anamnese, Interview (Gesundheitszustand)
    • Zielvariable: Interviewfrage nach häufigen bzw. ständigen Ohrgeräuschen und Vorstellung beim HNO-Arzt
    • unabhängige Variablen: 1. Befunde: Druckdolenzen der Kiefergelenke und/ oder Kaumuskulatur, Gelenkgeräusche, Schmerzen bei maximalen Unterkieferbewegungen, Abweichungen von der geradlinigen Mundöffnung >2mm,
      Schliffacetten in der Zahnhartsubstanz und in Restaurationen
      2. anamnestische Daten: Geschlecht, Alter (kategorial, 1. Altersklasse als Referenzkategorie), häufig auftretende Kopfschmerzen, häufiges Zähnepressen, häufiges Zähneknirschen, ungeklärte körperliche Beschwerden, Auftreten von Angstanfällen, Besorgtheit, unbegründet starke Ängste, Platzangst, anhaltende Traurigkeit, anhaltende Müdigkeit und Energielosigkeit, anhaltende Überdrehtheit und Reizbarkeit, Sorgen um die berufliche Existenz sowie starke Lärmbelastung am Arbeitsplatz
  • Lebensqualität: Fragebogen zum Gesundheitszustand SF-12 nach Bullinger und Kirchberger: 12 Fragen zur körperlichen und psychischen Befindlichkeit, Berechnung einer körperlichen und psychis+chen Befindlichkeitsskala (0-100)
    Unterschiede zwischen Probanden mit und ohne Tinnitus bzw. Zeichen von CMD wurden mittels Mann-Whitney-U Test auf Signifikanz getestet.

 

Studienregion

Abb. 1: Studienregion

Ergebnisse

Abb. 2: Regressionsmodell

Abb. 3: Körperliche Befindlichkeit und Tinnitus

Abb. 4: Psychische Befindlichkeit und Tinnitus

Abb. 5: Körperliche Befindlichkeit und Druckdolenzen

Abb. 6: Psychische Befindlichkeit und Druckdolenzen

Schlussfolgerungen

Zeichen kraniomandibulärer Dysfunktion (Druckdolenzen der Kaumuskulatur und/ oder Kiefergelenke) wurden als Marker für Tinnitus nur bei Frauen gefunden.
Die für Männer und Frauen ermittelten Tinnitusmarker sind in ihrer Ausprägung deutlich und lassen die Heterogenität der Geschlechter gegenüber diesem Krankheitsbild erkennen, was durch die Ergebnisse des Tests zur körperlichen und psychischen Befindlichkeit eindeutig bestätigt wird.
Frauen empfinden mehrheitlich eine psychische Beeinträchtigung, während Männer das Tinnitusgeschehen als körperliche Einschränkung aufnehmen. Die Tatsache, dass Zeichen funktioneller Störungen in dieser Studie nur bei Frauen Signifikanz zeigen, ließe sich mit der geringen Prävalenz von CMD bei Männern erklären.
Das aufgrund dieser Untersuchung signifikante Habit "Zähnepressen" könnte bei Frauen auch Ausdruck einer verstärkten Stressbelastung durch das Ohrgeräusch sein, welches somit noch zusätzlich zu einer Verstärkung der Symptome funktioneller Störungen führt. Ein oft beobachteter Zusammenhang zwischen kraniomandibulären Dysfunktionen und Tinnitus kann entsprechend der "Excessive somatic concern Hypothesis" in einer erhöhten emotionalen Stressbelastung bestehen, die bei Frauen möglicherweise stärker ausgeprägt ist. 


Bibliographie

  • Rubinstein B, Carlsson G: Effects of stomatognathic treatment on tinnitus: A retrospective study. Cranio 1987; 5: 254-259.
  • Vernon J, Griest S, Press L: Attributes of tinnitus that may predict temporomandibular joint dysfunction. Cranio 1992; 10: 282-288.
  • Peroz I, Kirchner K, Lange K-P: Kraniomandibuläre Dysfunktionen bei Tinnituspatienten. Dtsch Zahnärztl Z 2000; 55: 694-699.
  • Brookes G, Maw R, Coleman M: 'Costen's syndrome' - correlation or coincidence: a review of 45 patients with temporomandibular joint dysfunction, otalgia and other aural symptoms. Clin Otolaryngol 1980; 5: 23-36.
  • Laskin DM, Block S: Diagnosis and treatment of myofacial-pain-dysfunction ( MPD ) syndrome. J Prosthet Dent 1986; 56: 75-84.

 

Dieses Poster wurde übertragen von Dr. Olaf Bernhardt.

Kontakt-Adresse:
Dr. Olaf Bernhardt
Zentrum für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde
Rotgerberstr. 8
17487 Greifswald
Germany