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Int Poster J Dent Oral Med 3 (2001), No. 4     15. Dec. 2001

Int Poster J Dent Oral Med 2001, Vol 3 No 4, Poster 94

Die Alveolarfortsatzdistraktion des anterioren Unterkiefers

Eine Alternative zur präimplantologischen Augmentation

Sprache: Deutsch

Autoren:  Dr. Dr. Alexander Schramm, Dr. Andres Stricker, Prof. Dr. Dr. Nils-Claudius Gellrich, Dr. Dr. Ralf Schön, Dr. Dr. Ronald Schimming, Prof. Dr. Dr. Rainer Schmelzeisen
MKG-Universitätsklinik, Hugstetterstrasse 55, D-79106 Freiburg i. Br.

Datum/Veranstaltung/Ort: 
30.11.2000 bis 02.12.2000
1. Gemeinschaftstagung der DGI, ÖGI und SGI
Salzburg, Österreich

Einleitung

Die Technik der Kallusdistraktion basiert auf den Arbeiten von Ilizarov für die orthopädische Chirurgie. McCarthy et al. führten diese Technik erstmals für den maxillofazialen Bereich ein. Seit den tierexperimentellen Untersuchungen an Hundeunterkiefern zur Distraktion des Alveolarfortsatzes durch Block et al. wurden unterschiedliche Geräte für den klinischen Einsatz entwickelt und bereits eingesetzt.

Problemstellung

Die verschiedenen Verfahren der absoluten Kieferkammerhöhung unter Verwendung von autologem Gewebe gehen mit einer Entnahmemorbidität einher. Insbesondere das regelmäßig vorhandene Weichteildefizit limitierte die Schaffung eines ausreichenden Transplantatlagers einerseits sowie eines funktionell und ästhetisch suffizienten Implantatlagers andererseits. Mit der vertikalen Distraktion des Alveolarfortsatzes besteht nun erstmals die Möglichkeit, Knochen- und Weichgewebe simultan und entsprechend der prothetisch-implantologischen Erfordernisse aufzubauen.

Material und Methoden

Die vertikale Distraktion des anterioren Unterkiefers wurde mit der Mikroplattenapparatur (Fa. Martin, Tuttlingen) und mit dem LEAD®-Schraubensystem (Fa. Stryker-Leibinger, Freiburg) durchgeführt. Nach Planung und Festlegung der Größe des zu distrahierenden Segmentes wurden die Eingriffe in Lokalanästhesie oder Intubationsnarkose durchgeführt.

Ergebnisse

Durchgeführt wurde die Alveolarfortsatzdistraktion im anterioren Unterkiefer bei Zahnlosen (Abb.1), und nach vorheriger enossaler Implantation (Abb.3) mit dem Martin-Distraktor und mit dem LEAD-System bei Teibezahnten. Vor- und Nachteile der einzelnen Systeme und ihre Limitationen wurden hierbei herausgearbeitet, um so die Indikationen der unterschiedlichen Materialien aufzuzeigen.

Abb. 1a: Ausgangssituation Abb. 1b: inserierter Martin-Distraktor Abb. 1c: nach Distraktion

Abb. 1d: vor Distraktorentfernung Abb. 1e: nach Entfernung Abb. 1f: Retentionsphase

Abb. 1g: nach Implantatinsertion

Abb. 1h: Röntgenkontrolle nach Implantation

Abb. 1i-m: Verlaufskontrolle der Distraktionsbehandlung in der Fernröntgenseitaufnahme

Abb. 1n: Suprakonstruktion nach Osseointegration

Abb. 1o: festsitzende Versorgung



Abb. 2a,b: posttraumatischer Defekt vor Extraktion von Zahn 32 klinisch (a) und in der PSCHA
Abb. 2c: Z.n. Implantation Abb. 2d: Segmentosteotomie Abb. 2e: Distraktorinsertion (Martin)

Abb. 2f: vor Distraktion Abb. 2g: Distraktionsende Abb. 2h: Komplikation durch Lingualkippung des Segmentes in der Retensionsphase mangels Recall (Pat. im Urlaub)

Abb. 2i: Kallusmanipulation (Floating Bone) und Retentionsosteosynthese

Abb. 2j: Röntgenkontrolle

Abb. 2k: Sekundärteile

Abb. 2l: Suprakonstruktion

Diskussion

Vorteile der Distraktion sind die fehlende Entnahmemorbidität und die simultane Weichgewebsaugmentation. Die Wahl des Distraktors ist indikationsabhängig. Entscheidend ist hier vor allem die Größe des zu distrahierenden Segmentes und das Fehlen oder Vorhandensein von Zähnen oder Implantaten innerhalb des Segmentes. Die Lingualkippung des anterioren Unterkiefersegmentes ist die Hauptursache von Mißerfolgenen bei der Alveolarfortsatzdistraktion. Ihr kann nur durch Fixation der Geräte über die Restbezahnung (Abb. 3) oder stabilere Distraktoren entgegengewirkt werden. Entscheidend sind jedoch regelmäßige Verlaufkontrollen um Komplikationen abzuwenden (Abb.2).

Abb. 3a: Defekt in regio 31-42 Abb. 3b: Funktionskontrolle nach Einbringen des Distraktors

Abb. 3c: Wundverschluß
Abb. 3d: Interimsversorgung zur Stabilisierung des Segmentes Abb. 3e: Ende der Distraktion Abb. 3f: Entfernen der Distraktorschraube entgegen den Uhrzeigersinn

Abb. 3g: Konsolidierungsphase Abb. 3h: Entfernung der Transport- und Bodenplatte Abb. 3i: Insertion der Implantate

Abb. 3j:
Röntgen-
ausgangsbefund

Abb. 3k: Röntgenaufnahme während der Distraktion

Abb. 3l: Röntgenaufnahme nach Abschluß der Distraktion

Abb. 3m: Röntgenaufnahme nach Entfernung der Distraktorschraube

Abb. 3n:
Röntgenabschluß-
kontrolle

Abb. 3o: Sekundärteile Abb. 3p: Ansicht von vorne nach Eingliedern der Einzelkronen Abb. 3q: Ansicht von oben nach Eingliedern der Einzelkronen

Literatur

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  • McCarthy JG, Schreiber JG, Karp NS: Lengthening of the human mandible by gradual distraction. Plast Reconstr Surg 1992, 89, S. 1-8.
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  • Urbani G, Lombardo G, Santi E, Consolo U: Distraction osteogenesis to achieve mandibular vertical bone regeneration: a case report. Int J Periodontics Restorative Dent 1999, 19, S. 321-331.
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  • Raghoebar GM, Heydenrijk K, Vissink A: Vertical distraction of the severely resorbed mandible. Int J Oral Maxillofac Surg 2000, 29, S. 416-420.
  • Klein C: Die Knochenverlängerung nach Ilizarov zur Behandlung der mandibulären Mikrognathie im Kindesalter. Fortschr Kiefer Gesichtschir 1994, 39, S. 150-152.
  • Schramm A, Stricker A, Gellrich N.-C, Gläser R, Schmelzeisen R: Vertical distraction of the alveolar process - indications for different systems. Abstract No. 41. Cranio-Maxillo-Facial Distraction 2000, 1, S. 41.

 

Dieses Poster wurde übertragen von Dr. Dr. Alexander Schramm

Kontakt-Adresse:
Dr. Dr. Alexander Schramm
MKG-Universitätsklinik
Hugstetterstrasse 55
D-79106 Freiburg i. Br.